Übersetzung von meinem ursprünglichen Beitrag in englischer Sprache von Sebastian Wolking.

Das Ziel meines Kurses zu „digitalem Denken“ ist es, die Studenten umfassend über die Entwicklungen zu unterrichten, denen der Journalismus derzeit ausgesetzt ist. Hier sind die wichtigsten Strömungen und Trends, die meine Studenten zum Ende des Semesters beherrschen sollten.

Für jeden einzelnen Punkt gilt: Sie sollen verstehen, was er bedeutet, warum er wichtig ist und welche Entwicklungen damit einhergehen. Für einen guten Einstieg habe ich jeweils einen Link oder zwei hinzugefügt. Und ich freue mich natürlich immer über Anregungen und Punkte, die in dieser Aufzählung vielleicht noch fehlen.

1. Die Social Media-Abhängigkeit und das Prinzip „Verbreiten durch Sharen“ Weil soziale Netzwerke einen immer größeren Stellenwert im Austausch mit den Nutzern einnehmen, insbesondere Facebook. (Link.)

2. Die Verlagerung zu mobilen Geräten und Apps. Vollzieht sich bereits mit überwältigender Geschwindigkeit. (Link.)

3. Neue Geschäftsmodelle für Nachrichten. Jenseits der üblichen Methoden, eine Leserschaft durch Abonnements und Werbung aufzubauen, inklusive:
* Datenerfassung… um Werbung durch Targeting zielgerichteter zu schalten und Produkte zu personalisieren.
* Verkauf spezialisierter Recherche… durch Abo-Modelle a la Giga Om oder durch Conversational Marketing a la Techdirt.
* Events… die Macht einer Medienmarke nutzen, um Menschen zusammenzubringen (Link.) (Ein weiterer Link.)
* Native Advertising und das Agentur-Modell … So wie es Buzzfeed und Vice praktizieren. (Link.)
* Non-Profit-Modelle… so wie etwa ProPublica, Minn Post und die Texas Tribune. (Link.)
* Crowdfunding und Mitgliedschaftsmodelle… so wie bei Beacon, De Korrespondent, The Guardian, Voice of San Diego.
* Solo-Projekte… Ein-Mann-Betriebe können funktionieren.

4. Analytik in der Nachrichtenproduktion. Vom Verhalten der User lernen, ohne sich zu einem Sklaven der Zahlen zu machen. (Link.)

5. Produktmanagement in Nachrichtenunternehmen. Technologische, redaktionelle, geschäftliche und Nutzer-Erfahrungen zusammenführen. (Link.)

6. Interaktionsgestaltung und bessere User Experience (UX). Hin zu „ergonomischen“ Nachrichten. (Link.)

7. Datenjournalismus. Im weitesten Sinne: Datensätze sammeln, Daten über Programmierschnittstellen verbinden, Daten visualisieren, Geschichten aus Daten herauslesen, Usern aufbereitete und durchsuchbare Datenbanken zur Verfügung stellen, Sensoren in der Nachrichtenarbeit. (Link.)

8. Kontinuierliche Verbesserung von Content-Management-Systemen und einhergehenden Arbeitsabläufen. Eine Ingenieurskultur findet mittlerweile Eingang in manche Medienunternehmen. (Link.) (Ein weiterer Link.)

9. Strukturierte Daten. Mehr Wert aus der Routineerstellung von Nachrichten herausziehen. (Link.) (Ein weiterer Link.)

10. Personalisierung von Nachrichtenprodukten. Warum jedem den gleichen Bericht schicken? (Link.)

11. Transparenz und Vertrauen. Das Motto „Vertrauen Sie uns, wir sind Profis“ hat ausgedient und wird ersetzt durch „Zeig uns deine Arbeit“. (Link.)

12. Offener Journalismus. Das beinhaltet: Verifizierung von User-generated content, vernetzter Journalismus, Crowdsourcing, Social Media als Recherche-Werkzeug. Die Menschen, die früher noch unter dem Sammelbegriff Leserschaft bekannt waren, durch eine fruchtbare Zusammenarbeit mit Journalisten in den Produktionsprozess einbinden – von der Ideenfindung über die Entstehung bis zum Endprodukt. (Link.)

13. Automatisierung und Roboterjournalismus. Wenn Maschinen es billiger und besser können, können menschliche Journalisten in der Wertschöpfungskette aufsteigen. (Link.)

14. Eine agile Unternehmenskultur in Redaktionen erzeugen. Damit Anpassung, Zusammenarbeit und Experimente nicht zur Tortur werden. (Link.)

15. Das persönliche Franchise-Modell für Nachrichten. Basierend auf der individuellen Online-Followerschaft eines Journalisten. (Link.)

16. Nachrichten-Verticals und Nischenjournalismus. Eine Sache sehr gut beherrschen und dafür einen Markt finden, weil die Entbündelung der General-Interest-Medien anhält. (Link.)

17. Die Zukunft von Kontext- und Erklärjournalismus. Das nötige Hintergrundwissen anbieten, um die Updates verstehen zu können. (Link.)

18. Ratgeberjournalismus. Ein Service, der dem Leser dabei hilft, etwas zu tun oder zu schaffen. (Link.)

19. Vom Mangel zum Überfluss. Üblicherweise haben Journalisten Mehrwert geschaffen, indem sie Nachrichtenmaterial veröffentlicht haben. Jetzt können sie ihren Usern nützlich sein, indem sie die besten Fundstücke aus der täglichen Flut an billigem Content retten und bereitstellen. Dies wird manchmal auch als Kuration bezeichnet.

20. Faktencheck und Gerüchtekontrolle. Die Presse behandelte falsche Informationen normalerweise so, sie gar nicht erst durch das Eingangstor zu lassen. Jetzt gibt es eine affirmative Pflicht, falsche Geschichten nachzuverfolgen und öffentlich zu widerlegen. (Link.) (Ein weiterer Link.)

21. „Das liegt nicht in unserer Verantwortung.“ Früher produzierten die Verlage die Nachrichten und hatten zugleich die Verbreitungskanäle unter ihrer Kontrolle. Heute drängen sich größere Player – Unternehmen und Regierungen – zwischen User und Journalisten. Journalistische Arbeit zirkuliert auf Seiten, die die Redakteure nicht kontrollieren. Die Verleger müssen „dahin gehen, wo die Leute sind“, obwohl sie häufig nicht wissen, welchen Kräften diese Leute dort ausgesetzt sind. Die Öffentlichkeit müsste diesbezüglich alarmiert sein. (Link.)

Was fehlt in der Liste? Wenn Sie Anregungen haben, einfach klicken und es mich wissen lassen.

Update, 13. November: Die Punkte 19 bis 21 beruhen auf Anregungen, die ich erhalten habe, nachdem dieser Post erstmals veröffentlicht wurde. Lesen Sie dazu auch Steve Buttrys direkte Antwort auf meine Liste. Er hat viele großartige Quellen zusammengetragen, die beim Verständnis des Medienwandels helfen.

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